Irak

ÔĽŅ
Irak
Irak ; -s, (auch:) der; -[s]:
Staat in Vorderasien:
nach I./in den I. fahren.

* * *

Irak,
 
 
 
Fläche: 438 317 km2
 
Einwohner: (2000) 22,7 Mio.
 
Hauptstadt: Bagdad
 
Amtssprache: Arabisch
 
 
Währung: 1 Irak-Dinar (ID) = 1 000 Fils
 
Zeitzone: 1400 Bagdad = 1200 MEZ
 
amtlich arabisch Al-Djumhurijja al-Irakijja [-dʒʊm-], deutsch Republik Irak, Staat in Vorderasien, 438 317 km2, (2000) 22,7 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Bagdad, Amtssprache Arabisch; in der kurdischen Region auch Kurdisch.; Währungseinheit: 1 Irak-Dinar (ID) = 1 000 Fils. Uhrzeit: 1400 Bagdad = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Die am 22. 9. 1968 beschlossene und am 16. 7.1970) in Kraft getretene Provisorische Verfassung (ge√§ndert zuletzt 1995) bestimmt Irak als panarabisch und sozialistisch orientierte Volksrepublik mit Pr√§sidialregime. Der Islam ist Staatsreligion, wobei die Religionsfreiheit garantiert wird. Ebenso unter dem Schutz der Verfassung stehen die kulturellen Rechte der nationalen Minderheiten. H√∂chstes Staatsorgan mit Gesetzgebungs- und Vollzugsbefugnissen ist der Revolution√§re Kommandorat (RCC; acht Mitglieder). Staatsoberhaupt ist der mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattete Pr√§sident (Amtszeit: sieben Jahre). Er wird seit 1995 direkt gew√§hlt und ist auch Regierungschef, Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte und Vorsitzender des RCC. Legislative Funktionen √ľben der RCC und die Nationalversammlung (250 f√ľr vier Jahre gew√§hlte Abgeordnete) aus. Exekutivorgan ist die Regierung unter Vorsitz des Ministerpr√§sidenten, die dem Pr√§sidenten verantwortlich ist und von ihm ernannt wird.
 
Parteien:
 
Durch das Parteiengesetz vom Juli 1991 ist die Legalisierung von politischen Parteien stark eingeschr√§nkt, sodass de facto ein Einparteiensystem existiert. Die Arabische Sozialistische Baath-Partei (ASBP, Baath) beherrscht alle F√ľhrungspositionen in Staat, Armee und Massenorganisationen. Die Irak. Kommunistische Partei (gegr√ľndet 1934; 1973-79 mit der ASBP die Nationale Fortschrittsfront bildend) wurde w√§hrend des 1. Golfkrieges, beschuldigt der Unterst√ľtzung des Iran, verboten. Mitgliederst√§rkste Parteien unter den irakischen Kurden sind die Demokratische Partei Kurdistans (DPK; gegr√ľndet 1946), die konservativ-nationalistischen Ziele verfolgt, und die Patriotische Union Kurdistans (PUK; gegr√ľndet 1976). Als Dachverband von √ľber 30 im Exil wirkenden Oppositionsgruppen besteht seit 1992 der Irak. Nationalkongress (Sitz: London).
 
 
In Irak existieren sechs große Gewerkschaftsorganisationen mit rd. 1,3 Mio. Mitgliedern; Dachverband ist die der Regierung nahe stehende Federation of Iraqui Trade Unions (GFTU).
 
 
Das Wappen (seit 1965) zeigt den Saladinadler mit Brustschild (Darstellung der Staatsflagge) auf einer Schrifttafel mit arabischer Inschrift (deutsch ¬ĽRepublik Irak¬ę).
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 14. 7., der an den Sturz der Monarchie und die Ausrufung der Republik 1958 erinnert.
 
 
Das Land ist in 15 Provinzen und eine autonome Region der Kurden mit drei Provinzen gegliedert. Das kurdische Autonomiegebiet verf√ľgt √ľber ein Regionalparlament (115 Mitglieder) und einen Exekutivrat.
 
 
Das irakische Gerichtswesen kennt einen Kassationsgerichtshof, Appellationsgerichtsh√∂fe, Gerichte 1. Instanz, Friedensgerichte, Revolutionsgerichte (f√ľr Verbrechen gegen den Staat), Scharia-Gerichte (mit einem islamischen Richter f√ľr religi√∂se Angelegenheiten) sowie Strafgerichte.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 24 Monate) betr√§gt sch√§tzungsweise mindestens 345 000 Mann. Das Heer (rd. 300 000 Soldaten) ist gegliedert in je eine mechanisierte und gepanzerte Division, 18 Infanteriedivisionen und zehn Brigaden Spezialkr√§fte. Die Republikanische Garde umfasst drei Infanterie- und vier mechanisierte Divisionen. Die Luftwaffe hat etwa 40 000, die Marine rd. 5 000 Mann. Die Ausr√ľstung besteht im Wesentlichen aus etwa 2 500 Kampfpanzern (T-54/-55, T-62, T-72 sowjetischer Herkunft, T-59/-69 chinesischer Herkunft), 400 Kampfflugzeugen der unterschiedlichsten Typen sowie etwa zehn Kleinen Kampfschiffen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Die Hauptachse Iraks f√§llt mit dem Senkungsgebiet des ¬Ľmesopotamischen Trogs¬ę zusammen, der sich vom Persischen Golf im S√ľdosten nach Nordwesten erstreckt. Euphrat und Tigris haben hier in Unterirak weite Schwemmlandebenen geschaffen, die seit Jahrtausenden im Bew√§sserungsfeldbau genutzt werden. Daneben findet man in der Tiefebene Unteriraks auch ausgedehnte Schilf- und Seengebiete sowie vegetationslose Salztonebenen. Das Staatsgebiet greift auf die angrenzenden Gro√ülandschaften √ľber. Das Land westlich des Euphrats (Syrische W√ľste) sowie die Gebiete zwischen mittlerem Euphrat und Tigris (Djesire) geh√∂ren dem mesozoischen und terti√§ren Tafelland an, das im Nordteil Arabiens dem kristallinen Sockel der Arabischen Platte aufgelagert ist. Hier herrschen eint√∂nige, oft ebene Kiesw√ľsten und W√ľstensteppen vor. Nordostirak hat an den jungen Kettengebirgen des Taurus und Zagrosgebirges mit H√∂hen bis √ľber 3 500 m √ľber dem Meeresspiegel Anteil. In dem nach S√ľdwesten geneigten Vorland zwischen Gebirge und Tigris wurden weite, oft von fruchtbaren Lehmen √ľberdeckte Schotterfl√§chen aufgesch√ľttet.
 
 
Irak geh√∂rt noch zum Gebiet der subtropischen Winterregen; die Niederschlagsmenge nimmt von den Gebirgen im Nordosten (bis 1 200 mm) nach den W√ľsten im S√ľdwesten (unter 100 mm) rasch ab. Der Sommer ist trocken und hei√ü (bis 52 ¬ļC). Im Winter sind auch in Unterirak Nachtfr√∂ste nicht selten.
 
Die beiden gro√üen Fl√ľsse Euphrat und Tigris haben durch Winterregen und Schneeschmelze Hochwasser im Fr√ľhjahr. Der niedrigste Wasserstand ist im Herbst, gerade zur Zeit des gr√∂√üten Wasserbedarfs. Zur Regulierung der Wasserf√ľhrung wurden Staud√§mme an Euphrat, Tigris und Dijala errichtet.
 
Die Besiedlung Iraks war von der fr√ľhesten Antike bis heute vorwiegend auf zwei Kernr√§ume konzentriert, die durch d√ľnn bev√∂lkerte Gebiete voneinander getrennt sind: Assyrien, die Regenfeldbaugebiete des nordirakischen Gebirgsvorlandes, und Babylonien, die Bew√§sserungsgebiete des unterirakischen Tieflandes. - In der Naturlandschaft herrschen W√ľstensteppen und W√ľste vor, im Gebirge lichte Eichenw√§lder, in h√∂heren Lagen montane Vegetation. Die Kulturlandschaft wird gr√∂√ütenteils bestimmt durch weite baumlose Ebenen mit extensivem Getreideanbau; l√§ngs der Kan√§le und Fl√ľsse intensiver Anbau von Gem√ľse, Obst, Sonderkulturen.
 
 
Die Bev√∂lkerung ist in sprachlicher, religi√∂ser und sozialer Hinsicht sehr uneinheitlich. Das tragende Staatsvolk sind die rd. 15 Mio. Araber, die v. a. das unterirakische Bew√§sserungstiefland sowie die Steppen des mittleren und n√∂rdlichen Irak besiedeln. Die rd. 3,7 Mio. Kurden leben im bergigen Nordosten des Landes. Ferner gibt es T√ľrken, Iraner u. a.
 
Den Kurden wurde nach dem Aufstand von 1961-70 kulturelle Autonomie und Anerkennung ihrer Sprache als gleichberechtigte Schul-, Verwaltungs- und Gerichtssprache in den von ihnen besiedelten Gebieten zugestanden. Nach einem erneuten Aufstand 1974 und dessen Zusammenbruch leitete die irakische Regierung den Aufbau von neuen Arbeiter- und Bauernsiedlungen, aber auch Umsiedlungen von Kurden aus dem Bergland in die Tiefebene ein. Nach der Niederschlagung von Kurdenaufst√§nden 1991 und anschlie√üender Massenflucht der Kurden nach Iran und in das Grenzgebiet zur T√ľrkei wurde das Gebiet n√∂rdlich des 36. Breitengrades von der UNO als Schutzzone f√ľr die Kurden eingerichtet.
 
Die Sterblichkeitsrate ist noch sehr hoch. Die S√§uglingssterblichkeit liegt bei √ľber 10 %. Mit 45 ‚Äį ist die Geburtenziffer eine der h√∂chsten der Erde; 45 % der irakischen Bev√∂lkerung sind unter 15 Jahre alt; 75 % der Einwohner leben in St√§dten. - Die irakischen St√§dte mit ihren oft engen, winkligen Gassen sind nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine rege, modern-westliche Baut√§tigkeit umgestaltet worden.
 
Die Revolution von 1958 hat die Beseitigung der sozialen Kluft zwischen Großgrundbesitzern und abhängigen Fellachen eingeleitet; sie brachte aber auch vieljährige blutige Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden revolutionären Gruppierungen. Erst nach der Machtergreifung der Baath-Partei stabilisierten sich die Verhältnisse, doch wächst die Kluft zwischen politischer Elite (v. a. Großfamilie von S. Hussain) und breiten Bevölkerungsschichten; seit dem Wirtschaftsembargo leidet besonders der Mittelstand unter Verarmung (siehe Abschnitt Geschichte).
 
 
Staat und Religion sind gesetzlich getrennt. Die staatliche Religionspolitik betont die rechtliche Gleichstellung aller Religionsgemeinschaften, besonders das mit ihr verbundene Recht auf freie Religionsaus√ľbung. Der Islam, zu dem sich √ľber 96 % der Bev√∂lkerung bekennen, wird als wichtige Grundlage arabischer Identit√§t anerkannt. Mit rd. 62 % bilden die v. a. in S√ľdirak lebenden Schiiten die Mehrheit der irakischen Muslime. Mit Kerbela und Nedjef befinden sich die bedeutendsten schiitischen Wallfahrtsorte in Irak. Die in Nordirak lebenden sunnitischen Muslime (etwa je zur H√§lfte Araber und Kurden) geh√∂ren der hanefitischen und schafiitischen Rechtsschule an. - Rd. 3,8 % der Bev√∂lkerung sind Christen. Von ihnen geh√∂ren etwa zwei Drittel der mit der katholischen Kirche unierten Chald√§ischen Kirche (Sitz des Patriarchen in Bagdad) an, die √úbrigen der Assyrochald√§ischen (ostsyrischen) Kirche (¬ĽNestorianer¬ę), Syrisch-Orth. (westsyrische) Kirche (¬ĽJakobiten¬ę), griechisch-orthodoxen Kirche (Patriarchat von Antiochien), Melchitisch-Kath. Kirche, Syrisch-Kath. Kirche, armenische Kirche (Katholikat Etschmiadsin) und armenisch-katholische Kirche. F√ľr die rd. 3 000 katholischen Christen des lateinischen Ritus besteht das exemte Erzbistum Bagdad. - Religi√∂se Minderheiten bilden die Jesiden in Nordirak (rd. 30 000), die Mand√§er (rd. 20 000) und die Bahai (rd. 1 000). Die einst gro√üe j√ľdische Gemeinde ist seit 1949 (√ľber 200 000 Mitglieder) bis auf etwa 200 Juden nach Israel ausgewandert.
 
 
Der Staat beansprucht die Kontrolle und Lenkung des Bildungswesens und f√∂rdert es dementsprechend; dennoch betr√§gt die Analphabetenquote noch 43,2 %. Es besteht seit 1978 per Dekret (Nummer 92) allgemeine Schulpflicht vom 6. bis 11. Lebensjahr in der sechsj√§hrigen Grundschule (Ausdehnung auf neun Jahre geplant), deren Besuch ebenso kostenpflichtig ist wie der von Mittel- und h√∂heren Schulen. Unterrichtssprache ist Arabisch, im Kurdengebiet seit 1970 auch Kurdisch. Nach der Grundschule ist der √úbergang zur Oberschule m√∂glich. Die dreij√§hrige Mittelstufe endet hier mit einer Abschlusspr√ľfung, die zur Teilnahme an einer dreij√§hrigen sprachlichen oder naturwissenschaftlichen Oberstufe berechtigt. Deren Abschluss ist Voraussetzung f√ľr ein Hochschulstudium. Universit√§ten (insgesamt neun, darunter eine TU) gibt es u. a. in Bagdad (z. B. University of Bagdad, Al-Hikma University, Al-Mustansiriya University), Basra, Mosul und Sulaimaniya.
 
 
Alle gro√üen Verlagsh√§user sind staatlich, es herrscht Zensur. In der Hauptstadt erscheinen, mit Auflagen √ľber 200 000, die arabischen Tageszeitungen ¬ĽAth-Thawra¬ę (¬ĽDie Revolution¬ę), ¬ĽAl-Jumhuriya¬ę (¬ĽDie Republik¬ę) und ¬ĽAl-Qadissiya; ferner: ¬ĽBaghdad Observer¬ę, ein Nachdruckblatt mit englischen √úbersetzungen aus der landessprachlichen Presse, ¬ĽAl-Iraq¬ę in kurdischer Sprache und die t√§gliche Sportzeitung ¬ĽAr-Riyadhi¬ę. - Nachrichtenagentur: ¬ĽIraqi News Agency - INA¬ę, gegr√ľndet 1959, Sitz: Bagdad. - Rundfunk: Dem Minister f√ľr Kultur und Information untersteht die Rundfunk- und Fernsehverwaltung Iraks als Aufsichtsbeh√∂rde f√ľr ¬ĽIdhaa al-Djumhurijja Irakijja¬ę (¬ĽRundfunk der Republik Irak¬ę), gegr√ľndet 1936, Sitz: Bagdad, mit den landesweiten arabischen Programmen ¬ĽIdhaa Bagdad¬ę (¬ĽRadio Bagdad¬ę), ¬ĽIdhaa Saut al-Djamahir¬ę (¬ĽRadio Stimme der Massen¬ę, gegr√ľndet 1970) sowie kurdischen, t√ľrksprachigen und syrischen Programmen, einem Auslandsdienst in sieben Sprachen, darunter Deutsch. Die staatliche Fernsehgesellschaft ¬ĽBaghdad Television¬ę, gegr√ľndet 1956, verbreitet zwei landesweite arabische Programme, seit 1974 ein achtst√ľndiges kurdisches Fernsehprogramm, ferner Regionalprogramme.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Aufgrund reicher Erd√∂llagerst√§tten erlebte die Wirtschaft Iraks zwischen 1973 und 1980 einen gro√üen Aufschwung und verzeichnete sehr hohe Wachstumsraten. Die bis dahin sehr stark agrarisch gepr√§gte Wirtschaftsstruktur ver√§nderte sich v√∂llig. Der Krieg gegen Iran (1980-88) brachte einen ersten R√ľckschlag, das Pro-Kopf-Einkommen sank in diesem Jahrzehnt von 3 020 auf rd. 2 000 US-$. Wegen sinkender Weltmarktpreise f√ľr Roh√∂l bei gleichzeitig hohen R√ľstungsausgaben stiegen die Auslandsschulden auf 4 700 US-$ pro Kopf an. Der √úberfall auf Kuwait (1990), der dadurch ausgel√∂ste 2. Golfkrieg (1991) und das international verh√§ngte Wirtschaftsembargo sch√§digten alle Bereiche der Wirtschaft Iraks so stark, dass das Land wieder auf den Stand von 1970 zur√ľckgeworfen wurde. Bereits 1993 war das Pro-Kopf-Einkommen auf 485 US-$ gesunken. Ein Gro√üteil der Bev√∂lkerung ist v√∂llig verarmt. Von den umfangreichen Privatisierungen staatlicher Betriebe profitierten v. a. die Familie S. Hussains sowie eine Gruppe von hochrangigen Offizieren und Beamten.
 
 
Trotz der starken Dominanz des Erd√∂lsektors arbeiteten (1986) noch 40 % der Erwerbst√§tigen in der Landwirtschaft. Aber bereits Mitte der 80er-Jahre war Irak jedoch auf umfangreiche Nahrungsmittelimporte angewiesen. Die Golfkriege und das andauernde Wirtschafts- und Handelsembargo haben die Situation im Ern√§hrungssektor dramatisch versch√§rft; viele Bauern haben ihr Land verlassen oder wurden von dort vertrieben. Anbaufl√§chen und Ertr√§ge gingen auch wegen fehlender Produktionsmittel (D√ľngemittel, Maschinen, Saatgut) stark zur√ľck. Der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbst√§tigen sank auf (1993) 18 %. Die f√ľr die Getreideversorgung Mittel- und Unteriraks wichtigen Regenfeldbaugebiete Kurdistans sind seit 1992 von der Regierung mit einer Blockade belegt. Insgesamt sank die Ackerfl√§che von 5,15 Mio. ha (1985) auf unter 4 Mio. ha (1993). Die Getreideproduktion ging von 3 Mio. t (1990) auf 1 Mio. t (1993) zur√ľck. Vor Beginn der Erd√∂lf√∂rderung waren Datteln das bedeutendste Handelsgut. 1983 wurden mit einer Erntemenge von 400 000 t Datteln 15 % der Weltproduktion erzeugt. Es folgten einige Trockenjahre mit starkem Produktionsr√ľckgang. 1994 wird die Dattelproduktion auf 580 000 t gesch√§tzt (16 % der Weltproduktion), wovon allerdings mindestens 100 000 t in der Industrie zu Zucker, Alkohol und Essig verarbeitet werden.
 
Weizen und Gerste sind die wichtigsten Anbauprodukte. Gro√üe Bedeutung f√ľr die wasserreichen Gebiete in Unterirak hat auch die Kultivierung von Reis. Daneben werden Baumwolle, H√ľlsenfr√ľchte, Sesam, Mais und Mungobohnen angebaut. Intensiv bewirtschaftete (mehrst√∂ckige) Bew√§sserungskulturen mit Baumhainen und Gem√ľsebau finden sich nur in einem schmalen Saum entlang den Fl√ľssen und Hauptkan√§len; hier ist die Dattelpalme die weitaus wichtigste Nutzpflanze, gefolgt von Granat√§pfeln, Zitrusfr√ľchten und Edelobst.
 
 
Der Fischfang in Euphrat und Tigris spielt eine wichtige Rolle (Fangmenge 1993: 18 000 t). Im Persischen Golf war wegen der Kriege in den vergangenen Jahren kein Fischfang möglich.
 
 
Der Abbau von Bodensch√§tzen hat, abgesehen von Erd√∂l, keine gro√üe Bedeutung. Gewonnen werden z. B. Meersalz, Phosphat, Gips, Schwefel. Nachgewiesen sind u. a. Vorkommen an Kupfer-, Eisen- und Uranerz. Mit (1993) 13,4 Mrd. t gemeldeter Erd√∂lreserven liegt Irak hinter Saudi-Arabien weltweit an 2. Stelle. Die F√∂rdermengen stiegen 1970-79 von 75 Mio. t auf 170 Mio. t, die Erl√∂se von 521 Mio. US-$ auf 26 Mrd. US-$. Im Krieg gegen Iran sanken die F√∂rdermengen zun√§chst auf 47 Mio. t (1983), um dann wieder auf 170 Mio. t (1990) anzusteigen. Wegen des Verfalls der Roh√∂lpreise erreichten die Erl√∂se aber 1990 nur noch 6,9 Mrd. US-$. Seit 1991 hat Irak wegen des Wirtschaftsembargos keine Einnahmen aus Erd√∂lexporten mehr erzielt, die Produktion f√ľr den Binnenbedarf stagniert bei 20 Mio. t. Die gr√∂√üten Lagerst√§tten liegen entlang der Grenze zu Iran sowie in der N√§he von Basra. Das in Verbindung mit Erd√∂l gewonnene Erdgas wird nach wie vor gr√∂√ütenteils abgefackelt. Erd√∂lf√∂rderung und -verarbeitung (in sieben Raffinerien) erfolgen durch die 1964 gegr√ľndete staatliche Iraq National Oil Company (INOC). Als Folge der Kriegshandlungen sind viele Pipelines, durch die fr√ľher der Export erfolgte, zerst√∂rt.
 
 
1964 wurden fast alle gr√∂√üeren Betriebe (20 und mehr Besch√§ftigte) verstaatlicht. Lag der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung vor Beginn des 1. Golfkrieges auf der Petrochemie und dem Energiesektor, so wurden in der Folgezeit kriegsrelevante Projekte besonders gef√∂rdert. Wichtige Industriezweige sind weiterhin die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, die Baustoff- und die Textilindustrie sowie die Konsumg√ľterindustrie. Im 2. Golfkrieg wurden besonders in Mittel- und S√ľdirak die meisten Gro√übetriebe stark besch√§digt oder zerst√∂rt. Die f√ľhrende Rolle der Handwerks- und Kleinbetriebe hat seitdem noch an Bedeutung gewonnen. In der Industrie waren 1990 21 % der Erwerbst√§tigen besch√§ftigt.
 
 
Hauptanziehungspunkte sind die historischen Stätten des alten Mesopotamien wie Ur, Babylon oder Ninive. Seit dem 2. Golfkrieg ist der Tourismus vollständig zum Erliegen gekommen.
 
 
Bis zur Verh√§ngung des Wirtschafts- und Handelsembargos wies Irak eine ausgeglichene Handelsbilanz auf. Mit den Erl√∂sen aus den Erd√∂lexporten (99 % des Ausfuhrwertes) wurden erhebliche Importe von Nahrungsmitteln und Fertigwaren finanziert. Lediglich in den ersten Kriegsjahren gegen Iran war die Handelsbilanz deutlich negativ; aus dieser Zeit stammt der gr√∂√üte Teil der hohen Auslandsschulden (rd. 86 Mrd. US-$). Derzeit beschr√§nkt sich der Au√üenhandel auf illegale Erd√∂ltransporte (in gewissem Umfang), v. a. √ľber Jordanien.
 
Verkehr:
 
Die Infrastruktur hat, besonders in S√ľdirak, betr√§chtliche Kriegssch√§den erlitten. Wegen der Golfkriege stieg aber die Bedeutung des Stra√üenverkehrs erheblich. Neben den Stra√üen in die ehemaligen Kriegsgebiete sind auch die Verbindungen zu den westlichen Nachbarstaaten ausgebaut worden (Stra√üennetz 29 000 km, davon 70 % befestigt). Dagegen hat die Flussschifffahrt, die einst wichtigster Verkehrstr√§ger war, immer mehr an Bedeutung verloren. Die Seeschifffahrt im Golf ist fast vollst√§ndig zum Erliegen gekommen. Basra war bis zum Kriegsausbruch einziger bedeutender Seehafen. Das Eisenbahnnetz wurde zwischen 1977 und 1985 um 25 % erweitert und hat eine L√§nge von (1993) 2 030 km. Eine wichtige Strecke ist der Endabschnitt der Bagdadbahn von der syrischen Grenze nach Basra, seit 1971 verl√§ngert nach Umm Kasr. Eine Schmalspurbahn f√ľhrt von Bagdad √ľber Kirkuk nach Erbil. Internationale Flugh√§fen befinden sich bei Bagdad und Basra.
 
 Geschichte:
 
Zur Vorgeschichte Vorderasien; zur Geschichte und Kultur des Altertums im Gebiet des heutigen Irak Alter Orient, Assyrien, assyrische Kultur, Babylonien, babylonische Kultur, Mesopotamien, Sumerer.
 
Seit der Eroberung Babyloniens durch Kyros II. (539 v. Chr.) gehörte Mesopotamien, dessen wesentlicher Teil das Gebiet des heutigen Irak einnahm, zum Perserreich und teilte dessen Schicksal unter Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern (Iran, Geschichte). Unter den Sassaniden (224-651) war das Gebiet Kernland des neuen persischen Großreichs mit der Hauptstadt Ktesiphon.
 
Von der arabischen Eroberung bis zur Beendigung der osmanischen Herrschaft:
 
Nach der Eroberung durch die muslimischen Araber (seit 635) wurde es unter den Omaijaden (661-749/750) neben √Ągypten wichtigste Provinz des Kalifats und unter den Abbasiden (749/750-1258) Kernraum des islamischen Weltreiches. 637/638 wurden Basra und Kufa, 702 Wasit als Milit√§rlager gegr√ľndet; 762 folgte die Gr√ľndung der Kalifenresidenz Bagdad. 838-883 herrschten die Kalifen in Samarra. Im 8.-10. Jahrhundert war Irak Mittelpunkt der arabisch-islamischen Kultur. Durch t√ľrkische Pr√§torianer (seit 833) und Hausmeierdynastien wie die Bujiden (945-1055) und die Seldschuken (seit 1055) sowie Lokalf√ľrsten setzte ein allm√§hlicher Niedergang ein, zu dem auch dauernde Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten beitrugen. 1258 wurde Irak von den Mongolen erobert und Teil des Reichs der Ilchane, denen wieder Lokalf√ľrsten folgten, darunter die der turkmenischen Stammesb√ľnde des ¬ĽSchwarzen Hammels¬ę und des ¬ĽWei√üen Hammels¬ę (15. Jahrhundert). Im 16. Jahrhundert wurde Irak Streitobjekt der persischen Safawiden und des Osmanischen Reiches. Nachdem Bagdad 1534 und - nach kurzer iranischer Herrschaft seit 1623 - endg√ľltig 1638 an die Osmanen gefallen war, geh√∂rte Irak, in vier Provinzen aufgeteilt, bis 1918 zum Osmanischen Reich.
 
Irak unter britischer Mandatsverwaltung und als Königreich (1920-1958):
 
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches (1918) erhielt Gro√übritannien im Vertrag von S√®vres (10. 8. 1920 Mesopotamien als Mandat des V√∂lkerbundes und setzte den Haschimiten Feisal als K√∂nig ein (Feisal I., 1921-33). Unter dem Namen ¬ĽIrak¬ę erhielt das Mandatsgebiet 1924 eine Verfassung (Monarchie mit parlamentarischem System). 1926 verzichtete die T√ľrkei auf ihren Anspruch auf das Mosulgebiet. Mit dem Vertrag von Bagdad (1930; wirksam seit 1932) gab Gro√übritannien, bei Fortbestand seiner milit√§rischen Pr√§senz, Irak die Unabh√§ngigkeit.
 
Unter den K√∂nigen Ghasi (1933-39) und Feisal II. (1939-58, 1939-53 unter der Regentschaft Abd al-Ilahs) l√∂sten sich viele Regierungen ab. Eine der f√ľhrenden Pers√∂nlichkeiten war Nuri as-Said (mehrfach Ministerpr√§sident), der das Land auf einem gem√§√üigt nationalistischen, probritischen Kurs hielt. In den 30er-Jahren verbesserte sich die technisch-√∂konomische Struktur Iraks (u. a. Errichtung eines Staudamms bei Kut el-Amara; Eisenbahnbau). Nach einer Verst√§ndigung mit den Nachbarstaaten (besonders mit Iran √ľber den Grenzverlauf im Bereich des Schatt el-Arab 1936) trat Irak 1937 dem Pakt von Sadabad bei. Im Zweiten Weltkrieg stand Irak auf britischer Seite; ein Aufstand von Kr√§ften um Raschid al-Gailani, die den Achsenm√§chten zuneigten, scheiterte.
 
1945 beteiligte sich Irak an der Gr√ľndung der Arabischen Liga und wurde im selben Jahr Mitglied der UNO. 1948/49 nahm das Land am Krieg gegen Israel teil (Pal√§stinakrieg). Im Kampf gegen die konservativ-monarchistische F√ľhrungsschicht (um Nuri as-Said) traten unter panarabischen Vorzeichen republikanisch-nationalistische (Istiklal) und sozialistische (Baath) Kr√§fte immer st√§rker hervor. Nach heftigen antibritischen Demonstrationen lehnte das irakische Parlament 1948 einen von der Regierung neu ausgehandelten britisch-irakischen Vertrag ab. Im Spannungsfeld des Ost-West-Konfliktes war Irak nach dem Zweiten Weltkrieg prowestlich eingestellt und trat 1955 dem Bagdadpakt bei. In Auseinandersetzungen mit den nationalistisch-republikanischen Kr√§ften in ihrem Innern schlossen sich 1958 die K√∂nigreiche Irak und Jordanien zur Arabischen F√∂deration zusammen.
 
Irak als Republik (ab 1958):
 
Nach dem blutigen Staatsstreich vom 14. 7. 1958 (u. a. Ermordung K√∂nig Feisals II. und einiger seiner Familienangeh√∂rigen) rief eine Gruppe von Offizieren die Republik aus. Ministerpr√§sident General A. K. Kassem leitete eine Bodenreform ein, die die Kluft zwischen den Gro√ügrundbesitzern und der gro√üen Zahl der Fellachen beseitigen sollte. Er verfolgte zunehmend einen diktatorischen Kurs und versuchte dabei die verschiedenen innenpolitischen Kr√§fte gegeneinander auszuspielen. Zeitweilig st√ľtzte er sich auf die Kommunisten. Au√üenpolitisch l√∂ste er Irak aus seiner Verbindung mit Jordanien und wandte sich vom prowestlichen Kurs der Monarchie ab (1958/59 Austritt aus dem Bagdadpakt). Die Betonung einer eigenst√§ndigen irakischen Politik im arabischen Raum brachte Kassem in Konflikt mit panarabischen Kr√§ften im Innern, au√üenpolitisch v. a. mit dem √§gyptischen Pr√§sident G. Abd el-Nasser. Die Forderung auf Einverleibung Kuwaits verst√§rkte die Isolierung Iraks unter den Staaten der Arabischen Liga. Seit 1961 sah sich die irakische Regierung mit einem Aufstand der Kurden konfrontiert.
 
Im Februar 1963 st√ľrzten panarabisch-nasseristische Kr√§fte um General A. S. M. Aref und Mitglieder der panarabisch-sozialistischen Baath-Partei Kassem. Pr√§sident wurde Aref, nach seinem Tod (1966) sein Bruder A. R. Aref. In dieser Periode arbeitete Irak mit √Ągypten und Syrien zusammen; Vereinigungspl√§ne scheiterten jedoch an wachsenden Interessengegens√§tzen zwischen √Ągypten und Syrien. 1966 gestand die Regierung den Kurden ein Autonomiestatut zu. Im Juni 1967 nahm Irak auf jordanischer Seite am Sechstagekrieg teil.
 
Machtergreifung durch die Baathpartei (1968) und das Regime S. Husains (ab 1979):
 
Unter den Auswirkungen der arabischen Niederlage im Sechstagekrieg √ľbernahm im Juli 1968 die Baath-Partei, die im November 1963 von Pr√§sident Aref aus der Regierung gedr√§ngt worden war, im Zuge eines Milit√§rputsches die Macht. Mit Massenverhaftungen und √∂ffentlichen Exekutionen (1969) setzte Pr√§sident A. H. al-Bakr seine Herrschaft und die seiner Partei durch. Mit der Nationalisierung der ¬ĽIraq Petroleum Company¬ę (1972) expandierte die Wirtschaft des Landes. Nach dem R√ľcktritt al-Bakrs (1979) √ľbernahm S. Husain dessen √Ąmter in Staat (Vorsitzender des Revolutionsrates und Staatspr√§sidenten) und Partei (Generalsekret√§r der Baath-Partei).
 
Au√üenpolitisch brach Irak unter dem Regime des Baath die Zusammenarbeit mit Syrien und √Ągypten ab und lehnte sich eng an die UdSSR an (Abschluss eines irakisch-sowjetischen Freundschaftsvertrages 1972). Im Nahostkonflikt setzte Irak seine betont antiisraelitische Linie fort, besonders seit Abschluss des √§gyptisch-israelischen Rahmenabkommens von Camp David (1978).
 
Der 1. und der 2. Golfkrieg:
 
Nach dem Umsturz in Iran (1979) entwickelte sich ein tief greifender Gegensatz zwischen den fundamentalistisch-islamischen Machthabern dort und den sozialistisch-laizistischen Kr√§ften in Irak. Im September k√ľndigte Husain den 1975 mit Iran geschlossenen Grenzvertrag im Bereich des Schatt el-Arab und l√∂ste mit dem Einmarsch irakischer Truppen in die iranische Provinz Khusistan (September 1980) den 1. Golfkrieg (1980-88) aus, der in Irak √ľber 250 000 Menschenleben kostete. 1988 kam es zu einem Waffenstillstand mit Iran.
 
Während des Krieges hatte Husain die irakische Armee verstärkt (damals mit rd. 1 Mio. Mann eine der größten im arabischen Raum) und ihre militärtechnische Ausstattung mit direkter Waffenhilfe der UdSSR sowie Frankreichs und Chinas modernisiert; aber auch andere Staaten hatten sich - besonders in politisch-ideologischer Frontstellung gegen Iran - an Waffenlieferungen beteiligt (u. a. die USA). Im 1. Golfkrieg setzte Irak Giftgas gegen iranische Truppen ein, des Weiteren bei einer Offensive im März 1988 gegen die Kurden im Norden des Landes.
 
1989/90 bem√ľhte sich Husain verst√§rkt, Irak eine politische und milit√§rische F√ľhrungsrolle im Nahen Osten zu sichern.
 
Im Anschluss an irakisch-kuwaitische Streitigkeiten im Juli 1990 √ľber die beiderseitige Erd√∂lf√∂rderpolitik sowie √ľber gegenseitige Grenzverletzungen bei der Erd√∂lf√∂rderung besetzten irakische Truppen am 2. 8. 1990 Kuwait (Flucht der Herrscherfamilie ins Ausland). Unter Berufung auf (umstrittene) historische Anspr√ľche annektierte Irak, das nur einen schmalen Zugang zum Persischen Golf besitzt, am 8. 8. 1990 Kuwait und erkl√§rte es am 28. 8. zur ¬Ľ19. Provinz¬ę. Weder internationale Sanktionen (Wirtschaftsembargo, Seeblockade) noch die ultimative Resolution des UN-Sicherheitsrates vom November 1990 erreichten den irakischen R√ľckzug; zwischen August und Dezember 1990 wurden Tausende von Ausl√§ndern von der irakischen Regierung festgehalten und zum Teil als ¬Ľmenschliche Schutzschilde¬ę an strategisch wichtige Orte verschleppt (Freilassung erst nach massivem internationalen Druck und mehreren diplomatischen Missionen). Vorbehaltlos nur von der PLO, bedingt auch von Jordanien und Libyen unterst√ľtzt, suchte Husain mit seiner Forderung, die Krise um Kuwait im Rahmen einer Gesamtl√∂sung aller Konflikte im Nahen Osten zu beenden, die weitgehende au√üenpolitische Isolierung Iraks zu √ľberwinden. Seine strikte Weigerung, sich der Forderung des UN-Sicherheitsrates nach Abzug seiner Truppen bis zum 15. 1. 1991 zu beugen, l√∂ste am 17. 1. den 2. Golfkrieg aus, in dem die von den USA gef√ľhrten alliierten Streitkr√§fte Irak eine schwere Niederlage beibrachten (Einstellung der Kampfhandlungen am 28. 2. 1991). Irak, das betr√§chtliche Kriegssch√§den erlitt (insbesondere Zerst√∂rungen durch die alliierte Luftoffensive), musste sich verpflichten, alle UN-Resolutionen zu erf√ľllen (u. a. R√§umung Kuwaits und Anerkennung seiner Unabh√§ngigkeit, Schadensersatzpflicht gegen√ľber den durch den Golfkrieg gesch√§digten Staaten, Einrichtung einer entmilitarisierten Zone zwischen Irak und Kuwait unter UN-Aufsicht).
 
Anfang M√§rz 1991 erhoben sich die schiitischen Muslime in S√ľdirak und die Kurden in Nordirak; beide Aufst√§nde wurden jedoch v. a. von den Einheiten der ¬ĽRepublikanischen Garde¬ę Husains blutig niedergeschlagen. Hunderttausende fl√ľchteten nach Iran und in die T√ľrkei; das Elend der Fl√ľchtlinge veranlasste die USA, v. a. Schutzlager f√ľr die Kurden zu errichten, zumal Pr√§sident G. Bush die Gegner Husains in Irak w√§hrend des Golfkrieges zum aktiven Widerstand gegen den Diktator aufgefordert hatte. Die verfolgten Schiiten zogen sich ins s√ľdirakische Sumpfgebiet im Schatt el-Arab zur√ľck.
 
Irak nach dem 2. Golfkrieg:
 
Husain, dessen Machtposition nach dem Golfkrieg zun√§chst geschw√§cht war und der im M√§rz 1991 das Amt des Ministerpr√§sidenten abgab, konnte nach der Unterdr√ľckung der schiitischen und kurdischen Erhebungen und der Niederschlagung eines Offiziersputsches (Dezember 1991) seine Diktatur wieder konsolidieren. Eine UN-Kommission stellte au√üer gro√üen Best√§nden an chemischen Waffen in Irak auch ausf√ľhrungsreife Pl√§ne f√ľr den Bau von Kernwaffen fest. Im Oktober 1991 beschloss der UN-Sicherheitsrat, die irakische R√ľstungsindustrie einer st√§ndigen internationalen Kontrolle zu unterstellen.
 
Das andauernde Wirtschafts- und Handelsembargo gegen√ľber Irak (festgelegt in verschiedenen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats) f√ľhrte in Irak zu wachsender Verarmung und hoher Sterblichkeit (v. a. von Kindern). Entsprechend der Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats (3. 4. 1991), die die Waffenstillstandsbedingungen f√ľr die Beendigung des 2. Golfkriegs enth√§lt, suchte die UNO seitdem die tats√§chliche Vernichtung der ABC-Waffen zu kontrollieren, wurde dabei jedoch von der irakischen Regierung oft behindert. Zur √úberwachung des Waffenstillstands entsandte die UNO eine Friedenstruppe in die entmilitarisierte Zone beiderseits der irakisch-kuwaitischen Grenze (UNIKOM). Zum Schutz vor Angriffen der irakischen Regierungstruppen wurde in Nordirak, n√∂rdlich des 36. Breitengrads, eine Schutzzone f√ľr die Kurden (April 1991), in S√ľdirak, s√ľdlich des 32. Breitengrads, eine Flugverbotszone zum Schutz der Schiiten eingerichtet (August 1992, im September 1996 bis zum 33. Breitengrad ausgedehnt).
 
Nach Wahlen vom 19. 5. 1992 in der nordirakischen Zone, die von der Zentralregierung in Bagdad f√ľr illegal erkl√§rt wurden, proklamierte das kurdische Regionalparlament am 4. 10. 1992 in Erbil ein konf√∂deratives ¬ĽKurdistan¬ę innerhalb Iraks. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Anh√§ngern der rivalisierenden Kurdengruppen, besonders der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) von M. Barsani und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) von J. Talabani, f√ľhrten jedoch 1993/94 zu einer Aufteilung des nordirakischen Gebiets unter die Kampfparteien. Zwischen 1991 und 1996 drangen t√ľrkische Truppen wiederholt in das Gebiet ein, um St√ľtzpunkte der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) anzugreifen; im S√ľden der kurdischen Zone kam es 1995 zu K√§mpfen mit irakischen Regierungstruppen.
 
Im Januar 1993 f√ľhrten die st√§ndigen Behinderungen der UN-Inspektionen, der Aufmarsch irakischer Truppen in den von der UNO Kuwait zugesprochenen Gebietsstreifen zum Abtransport noch dort lagernden Kriegsmaterials sowie die Missachtung der Flugverbotszone zu alliierten Luftangriffen (USA, Gro√übritannien und Frankreich); weitere milit√§rische Schl√§ge der USA folgten auf Enth√ľllungen, dass der irakische Geheimdienst im April 1993 versucht haben soll, den damaligen amerikanischen Pr√§sident Bush zu ermorden.
 
Im November 1993 legte die Internationale Atomenergiebeh√∂rde (IAEO) einen Bericht vor, demzufolge das Kernwaffenprogramm Iraks entweder vollst√§ndig zerst√∂rt oder zumindest neutralisiert sei; im Juni 1994 stellte die UNO fest, dass das Land √ľber keine chemische Kampfstoffe mehr verf√ľge. Am 10. 11. 1994 erkannte Irak die Grenzen und Souver√§nit√§t Kuwaits sowie s√§mtliche UN-Resolutionen an, nachdem die an die Grenze zu Kuwait verlegten irakischen Truppenkontingente auf milit√§rischem Druck der USA hin zur√ľckgezogen worden waren. V. a. vor dem Hintergrund der Frage der Reparationszahlungen, der steigenden Zahl von Menschenrechtsverletzungen, der konventionellen Aufr√ľstung und der im Sommer 1995 von R√ľstungsfachleuten der UNO bekannt gegebenen Tatsache, dass Irak 1991 √ľber 200 einsatzf√§hige biologische Sprengk√∂pfe verf√ľgt hatte, wurde das UN-Embargo insbesondere auf Initiative der USA (aber auch Gro√übritanniens, Kuwaits und Saudi-Arabiens) mehrfach verl√§ngert. Die sich st√§ndig versch√§rfende Lebensmittelknappheit und die dadurch ausgel√∂ste Inflation (Anfang 1992: etwa 2 000 %) zwangen zur Einf√ľhrung eines rigorosen staatlichen Rationierungssystems. Der weitgehenden wirtschaftlichen Isolierung - in gewissem Umfang gelang es Irak indes, √ľber Iran und Jordanien illegal Erd√∂l zu exportieren - suchte die irakische Wirtschaftspolitik mit Bestrebungen zu gr√∂√ütm√∂glicher Autarkie zu begegnen.
 
Nachdem Husain 1994 mit Hinweis auf die von den Kriegsfolgen beeintr√§chtigte Wirtschaft wieder selbst das Amt des Ministerpr√§sidenten √ľbernommen hatte, lie√ü er sich in einem Referendum am 15. 10. 1995 (als einziger Bewerber) f√ľr weitere sieben Jahre als Staatspr√§sident best√§tigen. Die innenpolitische Krise des Regimes versch√§rfte sich 1995 mit dem blutig niedergeschlagenen Aufstand bislang regierungstreuer sunnitischer St√§mme in der westirakischen Provinz Anbar, der brutalen Unterdr√ľckung einer Milit√§rrebellion in dem unweit von Bagdad gelegenen Abu Gharib (anschlie√üende Hinrichtung von etwa 150 beteiligten Milit√§rs) und der Flucht der Schwiegers√∂hne Husains, beide bis dahin hochrangige Mitglieder der irakischen F√ľhrung, mit ihren Familien nach Jordanien (August 1995), die zu einer S√§uberungswelle in der Staats-, Partei- und Milit√§rhierarchie f√ľhrte; die - angeblich aufgrund einer Amnestierung durch Husain - im Februar 1996 zur√ľckgekehrten Schwiegers√∂hne wurden kurz danach ermordet. Irak. Truppen mischten sich Ende August 1996 auf ein ¬ĽHilfsersuchen¬ę der von Barsani gef√ľhrten KDP in die erneut eskalierenden innerkurd. K√§mpfe in der nordirakischen UN-Schutzzone ein. Im September reagierten die USA darauf mit einem (vom UN-Sicherheitsrat nicht offiziell unterst√ľtzten) milit√§rischen Luftschlag. Bis Oktober 1996 konnten die Truppen der PUK unter Talabani ihr traditionelles Einflussgebiet in Nordirak wieder besetzen. Die von der irakischen Regierung gesteuerten Parlamentswahlen am 27. 3. 2000 sicherten allen 165 Kandidaten der Baath-Partei einen Abgeordnetensitz (darunter auch dem Pr√§sidentensohn Uday Husain); im Mai 2001 lie√ü sich S. Husain als Generalsekret√§r der Baath-Partei best√§tigen und lancierte seinen Sohn Kusay in deren F√ľhrungsgremium.
 
1996 schloss die UNO mit Irak ein Abkommen (¬Ľ√Ėl f√ľr Nahrungsmittel¬ę), das die begrenzte Ausfuhr von irakischem Erd√∂l vorrangig zum Zweck der Beschaffung von Versorgungsg√ľtern f√ľr die Bev√∂lkerung erlaubte, deren Situation sich allerdings mit anhaltender Dauer der Sanktionen zuspitzte (in wachsendem Ma√üe von Vertretern der UN-Hilfsorganisationen kritisiert). Besonders das R√ľstungskontrollprogramm f√ľhrte immer wieder zu starken Spannungen zwischen der UNO und ihren Waffeninspektoren einerseits sowie der irakischen Regierung andererseits; irakische Boykottma√ünahmen gegen Inspektionen und deren schlie√üliche Unterbindung (Ende 1998), aber auch Zwischenf√§lle in den Flugverbots- beziehungsweise Schutzzonen nahmen die USA (zum Teil mit milit√§rischer Unterst√ľtzung durch Gro√übritannien) zum Anlass f√ľr Luftangriffe gegen irakische Milit√§rstellungen und infrastrukturelle Ziele im Land (1996, 1998-2000 und 2001/02). Als der Irak als einziger Staat die verheerenden Terroranschl√§ge auf New York und das Pentagon am 11. 9. 2001 nicht verurteilte und sie als Folge der ¬Ľverbrecherischen¬ę amerikanischen Au√üenpolitik wertete, erh√∂hten sich die Spannungen mit den USA erneut drastisch; diese beschuldigten das irakische Regime (nach amerikanischer Lesart Mitglied einer ¬ĽAchse des B√∂sen¬ę), terroristische Organisationen zu unterst√ľtzen sowie erneut nach dem Besitz von Massenvernichtungswaffen zu streben, und behielten sich ein milit√§risches Vorgehen gegen Irak als ¬ĽOption¬ę vor. Im Mai 2002 beschloss der UN-Sicherheitsrat auf Initiative der USA eine Modifizierung der Sanktionspolitik; in Abl√∂sung der ¬Ľ√Ėl f√ľr Nahrungsmittel¬ę-Regelung erhielt Irak erstmals die M√∂glichkeit, √ľber den Import aller zivilen G√ľter zu verf√ľgen; zugleich wurde das R√ľstungsembargo versch√§rft.
 
 
Allgemeines:
 
D. G. Adams: Iraq's people and resources (Westport, Conn., 1980);
¬†'A. al-J. 'Abd al-RahmńĀn: Iraq (Oxford 1984);
 E. Wirth: I. am Vorabend des Überfalls auf Kuwait, in: Orient, Bd. 31 (1990);
 K. Habib: Zur heutigen Wirtschaftslage im I., in: Inamo-Beiträge 1 (1995).
 
 
S. H. Longrigg: Four centuries of modern Iraq (Oxford 1925, Nachdr. Farnborough 1968);
 
S. H. Longrigg: Iraq: 1900-1950 (Beirut 31968);
 
S. Lloyd: Twin rivers. A brief history of Iraq. .. (Oxford 21947);
 
M. Khadduri: Independent Iraq, 1932-1958. A study in Iraqi politics (London 21960);
 
M. Khadduri: Republican 'Iraq. A study in 'Iraqi politics since the revolution of 1958 (ebd. 1969);
 
M. Khadduri: Socialist Iraq. A study of Iraqi politics since 1968 (Washington, D. C., 1978);
 
U. Gehrke u. G. Kuhn: Die Grenzen des I., 2 Bde. (1963);
 
M. R. al-Feel: The historical geography of Iraq. .., 1258-1534, 2 Bde. (Nejef 1965-67);
 
H. Busse: Chalif u. Großkönig. Die Buyiden im I. (1969);
 
H. A. Foster: The making of modern Iraq (Neuausg. New York 1972);
 
The integration of modern Iraq, hg. v. A. Kelidar (London 1979);
 
C. M. Helms: Iraq. Eastern flank of the Arab world (Washington, D. C., 1984);
 
P. Marr: The modern history of Iraq (Boulder, Colo., 1985);
 
P. Sluglett u. M. Farouk-Sluglett: Der I. seit 1958. Von der Revolution zur Diktatur (a. d. Engl., 1991);
 
H. Weiler: Der Konflikt am Pers. Golf aus völkerrechtl. Sicht (1992).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Golfkrieg: Regional- und weltpolitische Aspekte der Golfkriege
 

* * *

Irak [auch: 'i:rak]; -s, (auch:) der; -[s]: Staat in Vorderasien: ¬ĽI. sucht einen Teil seines Arsenals zu retten, indem es ihn vor uns verbirgt¬ę (FR 12. 3. 92, 5); nach I. fahren.

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • IRAK ‚ÄĒ Les structures g√©ologiques qui, d‚Äôune certaine mani√®re, dessinent d‚Äôavance la biographie des peuples r√©v√®lent qu‚Äôentre l‚ÄôEurope et l‚ÄôExtr√™me Orient les liaisons n‚Äôont pu se faire ais√©ment que dans la direction sud est nord ouest (et… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • irak ‚ÄĒ irak; irak¬∑i¬∑an; ‚Ķ   English syllables

  • Irak ‚ÄĒ [auch i:...] s, auch mit Artikel der; [s] (vorderasiatischer Staat); die St√§dte des Irak[s], aber die St√§dte Iraks ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Irak ‚ÄĒ (I. Adschemi, I. Persan), 1) die gr√∂√üte Provinz Persiens, im NW. desselben gelegen, 4414 QM., grenzt an die Provinzen Adserbeidschan, Gilan, Masenderan, Khorasan, Farsistan, Luristan u. Kurdistan, gebirgig, durch den Darnawend, Elburs, Elwend,… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ir√Ęk ‚ÄĒ Ir√Ęk, der Landstrich von der Syrischen W√ľste bis zum Elbrusgebirge, zerf√§llt in I. Adschm√≠, pers. I., wichtigste Provinz Persiens, mit den St√§dten Ispahan und Teheran, und I. Arab√ģ, arab. I., asiat. t√ľrk. Landschaft mit den St√§dten Bagdad und… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • √ĆrńĀk ‚ÄĒ m ‚Ć©G Ir√°ka‚Ć™ geogr. drŇĺava u JZ Aziji (Bliski istok) s izlazom na Perzijski zaljev, glavni grad Bagdad ‚Ķ   Veliki rjeńćnik hrvatskoga jezika

  • irak ‚ÄĒ *Ir√°k s. propriu n. Trimis de blaurb, 19.01.2007. Sursa: DOOM 2 ‚Ķ   Dic»õionar Rom√Ęn

  • Irak ‚ÄĒ ‚Üí Iraq ‚Ķ   Diccionario panhisp√°nico de dudas

  • Irak ‚ÄĒ √ĆrńĀk m <G Ir√°ka> DEFINICIJA geogr. drŇĺava u JZ Aziji (Bliski istok) s izlazom na Perzijski zaljev 445.480 km2, 22.219.289 stan. (1989), glavni grad Bagdad ‚Ķ   Hrvatski jezińćni portal

  • Irak ‚ÄĒ ō¨ŔÖŔáŔąōĪŔäō© ōßŔĄōĻōĪōßŔā (arab.) «¶umhŇęriyyat al IrńĀq ŕ©ŘÜŔÖōßōĪŘĆ ōĻōĪōßŔā (kurd.) Komara √éraq√™ Republik Irak ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.